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Leben nach der Transplantation

Körpertraining nach einer Transplantation


D
as erste Jahr nach der Transplantation

Transplantierte, insbesondere Herztransplantierte, sind in der Regel durch lange Krankheitsphasen mit Immobilität und muskulärem Abbau gekennzeichnet. Die immer häufiger notwendige Überbrückungsmaßnahme mit einem Herzunterstützungssystem (Assist device/mechanische Kreislaufunterstützung – mCS) oder die lange Wartezeit, bis ein passendes Organ zur Verfügung steht, tun ihr übriges, um den Betroffenen in einen sehr schlechten körperlichen Zustand geraten zu lassen.

Manche Transplantierte müssen auch in der Posttransplantationsphase durch Infektionen oder andere Komplikationen länger intensivmedizinisch behandelt werden und geraten dadurch in einen Zustand des Muskelabbaus.

Spezialisierte Reha-Einrichtungen nehmen diese Patientengruppe, sei es nach Herzinsuffizienz, Herzunterstützungs-Pumpenimplantation oder Herztransplantation in dieser Phase auf und beginnen mit dem Aufbau der muskulären Defizite. Dabei liegt der Fokus neben der Schulung der Flexibilität von Muskel- und Gelenkapparaten auf der Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten, die eine wichtige Voraussetzung sind, um eine alltagsgerechte Belastbarkeit zu erzielen.

Dreh- und Angelpunkt des therapeutischen Herangehens ist das Training in Form des Muskelausdauertrainings, z.B. als Ergometertraining oder in der Laufgruppe. In den letzten Jahren haben wir in unserer Klinik die Therapie im Rahmen eines Muskelaufbautrainings mit entsprechenden medizinischen Geräten begonnen, wie sie teilweise auch in Fitnessstudios üblich sind. Dies erfolgt unter ständiger Aufsicht von entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Physiotherapeuten.

Einfluss der Medikamente auf die körperliche Leistungsfähigkeit

Der Grund, warum transplantierte Patienten in ihrem Muskelaufbautraining so langsame Fortschritte machen und der Rehabilitationsverlauf sehr schleppend erscheint, ist die Tatsache, dass durch verabreichte immunsuppressive Therapie, z.B. mit Ciclosporin, aber auch dem Cortison und vielen anderen Immunsuppressiva, der Muskelaufbau erheblich beeinträchtigt ist. Dies liegt zum Teil an der chemischen Beeinträchtigung der Muskelstrukturen (Mitochondrien), aber auch in der veränderten Bereitstellung von energetischen Substanzen in der Muskulatur. Dies führt dazu, dass die betroffenen Rehabilitanden, um einen Muskelzuwachs von z.B. einem Kilo zu erreichen, das Zwei- bis Dreifache an Trainingseinheiten absolvieren müssen wie ein nichtimmunsupprimiert behandelter Mensch. Da dies aufgrund der sehr eingeschränkten Belastbarkeit in der Anfangsphase nicht möglich ist, brauchen Transplantierte deutlich länger, bis sie diese Defizite aufgearbeitet haben.


Eine ärztliche Empfehlung

Daraus leitet sich auch die Empfehlung ab, nach einer Organtransplantation an Herz oder Lunge über einen längeren Zeitraum (6 – 12 Monate) intensiv zu trainieren. Erst nach dieser Zeit wird in der Regel auch eine Leistungsbeurteilung aus sozialmedizinischer Sicht durchgeführt, um ggf. mit dem Patienten zu entscheiden, ob eine Rückkehr an einen Arbeitsplatz oder der Wiedereinstieg in das Berufsleben möglich erscheint.

Grundsätzlich gilt, dass im Normalfall bei intensiviertem körperlichen Training bei einem Drittel bis zur Hälfte aller herztransplantierten Patienten ein ausreichendes körperliches Leistungsvermögen wieder erreicht wird, das u.a. auch den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben gestatten würde.

Wichtig für alle herztransplantierten Patienten ist daher ein umfassendes körperliches Training zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Körperliche Leistungsfähigkeit führt in der Regel zu einer deutlichen Verbesserung der Stimmung, es baut depressive Stimmungsschwankungen, die bei Transplantierten in der ersten Phase nach Transplantation sehr häufig auftreten, ab, und führt insgesamt zu einer Anhebung der Lebensqualität. Gute Lebensqualität, verbunden mit einem guten körperlichen Fitnessstatus bedeuten bei Herztransplantierten eine Verbesserung der Lebensprognose.

Wie trainieren Sie richtig:

Bewegungstraining muss Spaß machen. Deshalb fällt es in der Gruppe in der Regel wesentlich leichter. Gesundheitliche Effekte werden frühestens bei einer Stunde Ausdauertraining pro Woche zu erwarten sein.

Die Empfehlung lautet daher: Der herztransplantierte Patient sollte mindestens zwei bis drei Stunden pro Woche an einem Ausdauertraining teilnehmen, was z.B. aus Gehen, Nordic Walking, Radfahren oder auch Joggen bestehen kann.

Dabei gelten die üblichen Herzfrequenzanstiege für herztransplantierte Patienten nicht, da das transplantierte Herz nerval nicht in dem Maße integriert in den Körper ist wie bei einem Nichttransplantierten. Als alltagstaugliche Faustformel hat sich aber ein Pulsanstieg von 10 bis 20 % bewährt und die Fähigkeit, sich beim Ausdauertraining noch verbal mit anderen Sporttreibenden austauschen zu können.

Selbstverständlich kann das Ausdauertraining auch durch ein Kraftausdauertraining ergänzt werden. Dies sollte aber mit den Transplantationsambulanzärzten besprochen und nur dort durchgeführt werden, wo Gesundheitsinstitute oder Fitnessinstitute den Umgang mit Herz-Kreislauf-Patienten gewohnt sind. Dies lässt sich an Zertifizierungen wie „Sport Pro Reha“ oder „GesundheitPro“ an den jeweiligen Türen der Fitnessstudios erkennen.

Wer den Sprung nach einem Jahr geschafft hat und sich körperlich so weit wieder fit gemacht hat, benötigt ein regelmäßiges Maß an Zeit, nach Möglichkeit Gleichgesinnte für ein körperliches Bewegungsprogramm. Dies kann durchaus auch ein
ganz normaler Sportverein mit einer Freizeitgruppe oder eine Betriebssportgruppe sein.

Der Bewegung sind mit Ausnahme von Kampfsport und Kampfballspielen (Fußball, Handball, etc.) keine Grenzen gesetzt. Auch das Schwimmen ist unter bestimmten hygienischen Rahmenbedingungen eine Möglichkeit.

Dr. med. Ulrich Kiwus


Inforunde

In unseren Inforunden im Deutschen Herzzentrum Berlin und der Rehaklinik Seehof erfahren Sie mehr zum Leben nach der Transplantation.

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letzte Änderung 10.04.2014